ALTE TISCHLEREIGransee · Baudenkmal
Historische Aufnahme 1906: Meister Karl Wilke vor seiner Tischlerei

Geschichte & Denkmal

Die Alte Tischlerei
Gransee

Von der meisterlichen Holzwerkstatt des Karl Wilke von 1906 über zwei Jahrzehnte Dornröschenschlaf bis zur behutsamen denkmalgerechten Wiedergeburt.

1906 · Handwerkserbe

Wo Hobelspäne flogen
und Generationen wirkten.

Ein kostbares historisches Dokument erzählt vom Ursprung unseres Hauses: Auf einer Originalfotografie aus dem Jahr 1906 posiert Tischlermeister Karl Wilke stolz mit seiner Familie, seinen Gesellen und Lehrlingen vor der Rudolf-Breitscheid-Straße 14 (damals Berliner Straße). In erhabenen Frakturbuchstaben prangte über dem Ladeneingang: „Karl Wilke. Tischlermeister.“ Die Gesellen halten Spannsägen und Ziehmesser fest in den Händen.

Das Gebäude, im Kern nach dem verheerenden Granseer Stadtbrand von 1711 als Fachwerkhaus errichtet, war über Generationen das pulsierende Zentrum des lokalen Holzhandwerks: Im Erdgeschoss der Verkaufsladen, im Obergeschoss das bürgerliche Wohnen, und im geschützten Innenhof die florierende Tischlereiwerkstatt.

Dieses handwerkliche Erbe ist bis heute der Herzschlag des Ensembles: In der Tordurchfahrt erinnert heute eine sorgsam zusammengetragene Sammlung historischer Handwerkzeuge – Hobel, Handsägen und Schraubzwingen – an das Wirken meisterlicher Hände.

Historische Originalaufnahme von 1906: Tischlermeister Karl Wilke mit Familie, Gesellen und Lehrlingen vor der Alten Tischlerei in Gransee
Originalaufnahme 1906

Historische Aufnahme von 1906 – Karl Wilke

Historische Tischlerwerkzeuge wie Holzhobel, Sägen, Feilen und Zwingen an der Holzwand der Durchfahrt
Detail · Tischlerwerkzeuge

Historische Tischlerwerkzeuge

2019 · Die Rettung

Vom Sorgenkind Gransees
zum mutigen Aufbruch.

Nach der politischen Wende und über 20 Jahren unberührtem Leerstand galt das Anwesen als eines der bedrückendsten Sorgenkinder im städtischen Sanierungsgebiet Gransee. Als wir das Denkmal Ende 2019 übernahmen, schien die Zeit stehen geblieben – und der Verfall besiegelt.

Durch geborstene Scheiben hatten sich Brombeeren und Efeu bis ins Obergeschoss gefressen. An mehreren Stellen war das Dach undicht: In der Küche des Obergeschosses war die Decke unter dem Gewicht durchnässter Strohlehm-Wickel und Schilfrohrmatten eingestürzt. Im Erdgeschoss verhinderten nur rohe Baustützen das Herabstürzen der schweren Balkendecke.

Und dennoch: Wer mit wachem Auge durch die staubigen Flure ging, spürte die unvergleichliche Kraft dieses Hauses. Unter vergilbtem DDR-Linoleum und dicken Zementschichten wartete ein authentisches Baudenkmal des 18. Jahrhunderts auf seine Befreiung.

Sichtbare historische Dachsparren, Ziegelgesims und Traufkante am Fachwerkhaus
Dachbalken & Gesims

Dachsparren & Gesims

Eingangsbereich mit roter Holzvertäfelung, gerahmten historischen Dokumenten und gemütlicher Wandleuchte
Bausubstanz 18. Jh.

Flur & Historie

2019–2022 · Bauforschung & Befunde

Freilegen, was unter
Zement und Ruß verborgen lag.

Bevor der erste Balken ausgetauscht wurde, erfolgte eine akribische restauratorische und bauhistorische Voruntersuchung in enger Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege (Dokumentation RBS 14). Schicht für Schicht legten die Restauratoren die Geschichte des Gebäudes frei.

Dabei kamen ungeahnte Schätze zum Vorschein: Im großen Erdgeschoss-Saal (Raum 0.04) entdeckten wir unter DDR-Verkleidungen eine filigrane florale Stuck-Deckenrosette. Einst durch ein brutales Ofenrohr durchbohrt und überstrichen, konnte dieses Biedermeier-Detail restauratorisch freigelegt, gefestigt und in meisterhafter Handarbeit rekonstruiert werden.

Überall im Gebäude traten historische Farbfassungen, kunstvolle Schablonenmalereien und originale Kastenschlösser zutage. Diese Befunde bildeten die farbliche und gestalterische Blaupause für die Wiederherstellung der Räume – vom preußischen Blau im Erdgeschoss bis zu den sanften Naturlehmtönen in den Stuben.

Restauratorische Befunduntersuchung 2019 mit Farbfreilegung und die vollendete Deckenrosette 2026 im Erdgeschoss-Salon
Restauratorischer Befund 2019

Restauratorischer Befund: Deckenrosette (2019 / 2026)

Detailaufnahme eines antiken schmiedeeisernen Kastenschlosses mit Eichel-Schnäpper
Detail · Schmiedekunst 18. Jh.

Schmiedeeisernes Kastenschloss

Handwerkskunst & Ökologie

Nur was
echt, gesund und dauerhaft ist.

Die denkmalgerechte Rettung des Ensembles folgte einem unumstößlichen Grundsatz: Keine synthetischen Baustoffe, keine dichten Kunstharze. Alle schädigenden Zementputze, Bitumenbeläge und Spanplatten der Nachkriegsjahrzehnte wurden in monatelanger Handarbeit rückgebaut.

Für den Wiederaufbau kamen ausschließlich reine Naturmaterialien zum Einsatz: Mehrlagiger Lehmputz auf Holzfaserdämmung, reiner Sumpfkalk, märkischer Ziegel und historisches Altholz. An der Hoffassade wurden die traditionellen Lehmstakungen und Strohlehmwickel handwerklich erneuert. Die geschwungene Nadelholztreppe wurde Stufe für Stufe behutsam restauriert.

Detailaufnahme des restaurierten historischen Holzfachwerks mit traditionellem Ziegelmauerwerk
Sichtfachwerk & Ziegel

Historisches Fachwerk & Lehm

Überdachte Hofterrasse mit historischem Feldsteinpflaster, Mosaiktisch, Gartenstühlen und Baldachin mit Lichterkette
Feldsteinpflaster im Hof

Überdachte Hofterrasse

Filigranes schmiedeeisernes Rundfenster mit Ornamenten im historischen Eingangstor
Schmiedeeisernes Torfenster

Schmiedeeisernes Torfenster

Vorher & Nachher

Die Metamorphose Raum für Raum.

Erleben Sie die Verwandlung jedes Winkels der Alten Tischlerei im direkten Vergleich. Klicken Sie auf eine Aufnahme oder starten Sie das Vollbild-Karussell, um alle 13 Transformationen im Großformat mit Raumdetails zu erkunden.

Vorher-Nachher Vergleich des Innenhofs: Verwilderter Hof 2019 mit Unkraut und baufälligen Dächern vs. vollendeter Denkmal-Innenhof 2026
Vorher / Nachher

Innenhof im Wandel (2019 / 2026)

Vorher-Nachher Vergleich der Tordurchfahrt: 2019 als nüchterne Autogarage mit Betonboden vs. 2025 mit historischem Feldsteinpflaster und Werkzeugwand
Vorher / Nachher

Tordurchfahrt & Werkzeugwand (2019 / 2025)

Vorher-Nachher Vergleich des Saals im Erdgeschoss: Trostloser Leerstand 2019 mit Linoleum vs. festlicher Salon 2026 mit Esstafel und blauen Lehmwänden
Vorher / Nachher

Festsaal im Erdgeschoss (2019 / 2026)

Vorher-Nachher Vergleich des Treppenhauses: Desolate, abgetretene Treppe 2019 vs. meisterhaft aufgearbeitete geschwungene Holztreppe 2026
Vorher / Nachher

Historisches Treppenhaus (2019 / 2026)

Vorher-Nachher Vergleich der Küche im OG: Dramatischer Deckeneinsturz 2019 vs. restaurierte Landhausküche mit rosa Lehmputz 2026
Vorher / Nachher

Küche im Obergeschoss – Deckendurchbruch (2019 / 2026)

Vorher-Nachher Vergleich der Wohnstube im OG: Verstaubter Raum 2019 mit DDR-Kachelofen vs. lichtdurchfluteter Speisesalon 2026
Vorher / Nachher

Wohnstube im Obergeschoss (2019 / 2026)